www.emk-del.de       
Navigation  
  Home
  Gottesdienste
  Aktuelles - Vorschau
  Termine
  Die EmK
  Christuskirche
  Kapelle Neerstedt
  Gemeindeleben
  Rückblick
  Geschichte
  => 125jähriges Jubiläum
  => 125jähriges Jubiläum Delmenhorst
  => Kapelleneinweihung nach Umbau 1975
  => 100jähriges Jubiläum Delmenhorst
  => 75jähriges Jubiläum Delmenhorst
  => 75jähiges Jubiläum Zeitungsartikel
  => 75jähriges Kapellenjubiläum Neerstedt
  => Jubiläumsfeier Chöre 1931
  => Personen in Delmenhorst
  => Personen in Neerstedt
  Gemeindegruppen
  Auftanken
  Kirchenjahr
  Galerie
  Besucher-Statistik
  Gästebuch
  Kontakt
  Impressum
  Jubiläum 2009
  -- intern --
last update: 11. November 2018
125jähriges Jubiläum Delmenhorst

Aus dem Weserkurier vom 31.12.1983

1984 wird Geburtstag gefeiert

Evangelisch-Methodistische Kirche in Delmenhorst
wird 125 Jahre alt

Von unserem Redaktionsmitglied Gabriele Fischer

Delmenhorst. Leicht war es offensichtlich nicht, in der Mitte des 19. Jahrhunderts Methodist zu werden. Obwohl die erste Delmenhorster Gemeinde mit 70 Sonntagsschülern, elf Lehrern und 50 Gliedern nicht eben groß war, erscheint im alten Kirchenbuch immer wieder der Vermerk „ausgeschlossen“, was auf strenge Kirchenzucht schließen läßt. Doch das Konzept war erfolgreich: Die Gemeinde wuchs, baute schon bald ihr erstes Gemeindehaus, trotzte politischen und geistigen Gegenbewegungen und hat nun ein großes Jubiläum vor sich — im kommenden Jahr feiert die evangelisch-methodistische Kirche in Delmenhorst ihren 125. Geburtstag. Seit der ersten Vierteljahreskonferenz des selbständigen Delmenhorster Bezirks am 5. Februar 1859 hat sich die freikirchliche Gemeinde zur kleinen, aber selbstbewußten Kraft entwickelt, die sich nicht nur durch reges Gemeindeleben, sondern auch durch realitätsnahes politisches Engagement auszeichnet.

So lesen sich die „Sozialen Grundsätze der evangelisch-methodistischen Kirche" in der erarbeiteten Fassung vom Mai 1978 wie das Programm einer modernen Partei: Die Forderung nach einer „in ökologischer Hinsicht gerechteren Welt" findet sich dort ebenso wie die klare Stellungnahme gegen „Gewaltanwendung als Lösung für zwischenstaatliche Spannungen" oder „die Militarisierung der Gesellschaft".

Gründliche Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen beweisen aber auch andere Grundsätze wie etwa die Forderung nach Entwicklung und Ausbau alternativer Energien, nach Gleichberechtigung von Mann und Frau auch in kirchlichen Gremien, nach einer Erziehung, die Kinder befähigt, „ihre Umwelt zu durchschauen, um nicht in falsche Abhängigkeiten zu geraten" oder nach Mitbestimmung und Mitverantwortung für Jugendliche, um „ihre Benachteiligung und Ausbeutung abzubauen".
Tabuthemen gibt es nicht: Die Kirche beschäftigt sich mit der „Ehe ohne Trauschein", die akzeptiert wird, mit der Sexualität, die für die Methodisten „zum vollen Menschsein" gehört“, mit der als notwendig betrachteten Geburtenkontrolle, mit dem „Recht eines jeden Menschen, in Würde, unter liebevoller persönlicher Pflege zu sterben" und mit der Abtreibung, die „nur im äußersten Notfall", bei Gefahr für Mutter oder Kind befürwortet wird. Und selbst die Wirtschaftsordnung wird von den selbständigen Methodisten in Deutschland kritisch beleuchtet: Unterstützt werden Maßnahmen, die die Ansammlung von Reichtum in der Hand weniger abbauen, und auch Fragen des Bodenrechtes, des Investivlohnes und der Angemessenheit der Einkommen stehen bei den Methodisten zur Diskussion.
Klare Positionen gehören zur Tradition der Methodisten. Schon in den Gründungsjahren in der Mitte des 18. Jahrhunderts haben sich Methodisten entschieden gegen Sklavenhandel, Schmuggel und die unmenschliche Behandlung von Strafgefangenen ausgesprochen. Und die „Verantwortung für soziale Gerechtigkeit" prägt noch heute das Bild dieser Kirche, die in Entwicklungsländern, aber auch in den Slums der Farbigen viele Anhänger hat.

 
Neue Glaubenslehre kam einst aus England

Begründer der methodistischen Kirche sind die Brüder Charles (1707-1788) und John Wesley (1703-1791), die bereits während ihrer Studienjahre in Oxford zu einer Studentengruppe mit strengen Regeln gehörten. Fleißiges Bibellesen, regelmäßige Gebete, Wohltätigkeit für Arme, Gefangene und Unterdrückte waren Kennzeichen dieser Gruppe, die schon bald von anderen Studenten den Spottnamen „Methodisten" bekam. Dieser Name blieb, als John Wesley dann als Pfarrer der anglikanischen Hochkirche auf der Grundlage von Luthers reformatorischen Schriften seine Glaubenslehre entwickelte.

Im Mittelpunkt dieser Lehre steht nicht mehr die Rechtfertigung, sondern das Christentum und dessen wichtigste Aufgabe, die Mission. Durch Straßenpredigten und moderne Versammlungsformen sorgten die Brüder Wesley und ihre Anhänger für eine schnelle Verbreitung ihrer „Lehre von der Buße, vom Glauben und von der Heiligung". Und über den Umweg über Amerika kam diese Lehre dann 1849 - nach der Zusicherung der Religionsfreiheit durch die Frankfurter Verträge von 1848 - auch nach Deutschland.
Von Bremen aus, wo im November 1849 der aus New York kommende Dampfer „Hermann" mit dem Prediger Dr. Jacoby landete, gelangte die Lehre schließlich über das Oldenburger Land und Hasbergen nach Delmenhorst. Und nachdem die Delmenhorster Gemeindeglieder zwei Jahre lang den weiten Fußweg nach Bremen auf sich genommen hatten, um zum Gottesdienst zu kommen, wurde schon 1861 der Beschluß zum Bau eines eigenen Gemeindehauses gefaßt.
Im ersten Versammlungsraum an der Oldenburger Straße trafen sich die Delmenhorster Methodisten fast 18 Jahre lang, bis sich die Gemeinde im Jahr 1879 zum Bau einer neuen Kapelle mit Wohnhaus für den Pfarrer entschloß. Schon im Dezember 1880 wurde die neue Kapelle an der Bremer Straße eingeweiht, bald darauf der erste Jünglingsverein und - neben dem gemischten Chor - ein Männerchor gegründet. Doch die Kapelle erwies sich nicht als Jahrhundertbauwerk. Bald zeigten sich deutliche Mängel, und außerdem war der kleine Bau für die inzwischen knapp 200 Gemeindeglieder zu klein. Den entscheidenden Anstoß zum Neubau gaben schließlich einige angesehene Gemeindeglieder, die kurzerhand erklärten: Für Reparaturen an der alten Kirche würden sie nichts geben, sie seien aber zu größeren Opfern für eine neue Kirche bereit.
Und so wurde die alte Kapelle abgebrochen und die neue Christuskirche gebaut, die am 22. Oktober 1911 eingeweiht wurde. Zwar mußte dieser Bau nach Zerstörungen im 2. Weltkrieg und aufgrund von veränderten Anforderungen in den 70er Jahren umgebaut werden, doch im Grundsatz ist der Bau aus dem Jahre 1911 noch heute erhalten. Die Gemeindegröße jener Zeit - 1927 zahlte der Bezirk Delmenhorst-Neerstedt-Grüppenbühren 430 Glieder - war allerdings nicht in die 80er Jahre zu retten: Heute gehören zur Delmenhorst-Neerstedter Methodistengemeinde etwa 200 Glieder. Dazu kommen noch etwa 150 Kirchenangehörige, die sich jedoch noch nicht vor der Gemeinde zur evangelisch-methodistischen Kirche bekannt haben. Ohne diesen Schritt aber kann man nur Kirchenangehöriger, nicht Kirchenglied werden, denn für die Methodisten ist die Taufe - als Kind oder Erwachsener - nur das Angebot Gottes, das durch freiwillige persönliche Entscheidung vor der Gemeinde angenommen werden muß.
Anders ist bei den Methodisten auch die Stellung des Pfarrers: Er wird - theoretisch - jedes Jahr neu an eine Gemeinde versetzt, nachdem er der Bezirkskonferenz Bericht erstattet hat. Zwar ist Pastor Kurt Wagner schon seit acht Jahren in Delmenhorst: „Aber zu Beginn jeden Jahres werde ich von der Gemeinde neu begrüßt." Überhaupt hat die Gemeinde in dieser Freikirche eine starke Stellung: Sie trägt die Verantwortung für Gemeindeleben und -haushalt, bestimmt Lektoren, die die Gottesdienste mitgestalten und organisiert Arbeitsdienste, die den Pfarrer, etwa bei der Reinhaltung der Kirche, unterstützen.
Die Selbstverantwortung, aber auch die Überschaubarkeit der Gemeinden sind wichtige Grundsätze der methodistischen Kirche, denn anders läßt sich der Anspruch nach Gemeinschaft und gegenseitiger Hilfe kaum verwirklichen. Nur weil jeder jeden kennt, ist es möglich.
Zur methodistischen Freikirche gehört aber auch das Prinzip der Freiwilligkeit: Die evangelisch-methodistische Kirche hat auf das Recht verzichtet, Kirchensteuer durch das Finanzamt einziehen zu lassen.

Uhrzeit  
   
Delmenhorst  
  Evangelisch-methodistische Kirche
Gemeindezentrum Christuskirche
Bremer Str. 26
27749 Delmenhorst
Tel.: 0 42 21 / 1 33 10
 
Neerstedt  
  Evangelisch-methodistische Kirche
Kapelle Neerstedt
Dorfstr. 18
27801 Neerstedt
 
Info  
  Seit 1947 bilden die Gemeinden Delmenhorst und Neerstedt einen Bezirk.